Heiße Glut im schwarzen Sand

Heiße Glut im schwarzen Sand

Heiße Glut im schwarzen Sand

Eine Erzählung

Eben erst einer Wolke entsprungen, kräuseln sich durchsichtig zart weiße Fäden dem Himmel entlang, der azurblau über unzählige, sich auftürmende Spitzen des dunklen Meeres wacht. Mein Blick streift den Horizont, während ich nach der Insel Ausschau halte, die weit entfernt ihre karge, felsige Schönheit aus dem Meer reckt.

Indes dringen heiße Sonnenstrahlen durch meinen nach Wärme lechzenden Körper. Der leicht wehende Wind trocknet meinen Schweiß, während er gleichzeitig das stetige Rauschen der Meeresbrandung an meine Ohren trägt. Meine nackten Füße wühlen durch tiefes Schwarz. Sand, so heiß, wie die Glut der einst speienden Vulkane, mit einem Feuer, welches ihn wie zerriebene, abertausende Diamanten im gleißenden Licht der Sonne funkelnd durch meine Zehen rieseln lässt. Surrende Stimmen anderer Menschen um mich herum schwirren in der Mittagshitze. Sie erreichen mich nicht, sondern gleiten mit dem Wind davon, um sich mit den Wellen zu brechen.

Hier möchte ich bleiben. Hier an diesem Ort, an dem ich die Vorstellung eines Paradieses zu erahnen wähne. Rief mich eine glückliche Vorsehung zu diesem zauberhaften Fleckchen Erde?

Die verlockende Aussicht, behagliche Zeiten in der Oase des ewigen Frühlings zu erleben, lässt mich sanft in einen leichten Schlaf trudeln. Tosende Wellen begleiten meine Träume. Sie tragen mich zu den gigantischen Felsen der kargen Insel. Mit unbezähmbarer Kraft umspült die salzige Brandung die schwarzen Steine, die wie Stalagmiten aus dem Meer ragen, um sich dann wieder mit ihrer weißen, schaumigen Krone in das Blau des Meeres zurückzuziehen.

Die zerklüfteten Steine ritzen meine Haut. Ungeachtet dessen bleibe ich sitzen. Ich schaue diesem einzigartigen Naturschauspiel zu. Die Beharrlichkeit des aufpeitschenden Wassers, welches sich ebenso kraftvoll wie unabhängig seinen Weg sucht, hält mich in ihrem Bann. Krachende Wellen scheinen nach mir zu rufen, mich aufsaugen zu wollen. Völlig unerwartet sehne ich mich plötzlich nach den Tiefen des Ozeans.

Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, klettere ich über die rauen Steine bis zum Gipfel der Klippe empor und springe in das schwarzblau schimmernde Wasser unter mir. Quälend lange Sekunden verschlingt mich das aufbrausende Meer. Bedrohlich laut dröhnen Wellen, die fortwährend an die Felswand schlagen. Von Panik ergriffen, rudere ich mit den Armen, schnappe nach Luft. Doch statt dessen spüre ich salziges Wasser in meiner Lunge.

Heftiges Husten reißt mich aus meinen Träumen, die mich viel zu lange wie ein Sandwich in der prallen Sonne schmoren ließen. Wie konnte ich nur so fest einschlafen? Mein Bemühen, aufzustehen, scheitert kläglich. Ich sacke wieder zu Boden, meine Knie geben nach. Helle Punkte blitzen vor meinen Augen und drehen sich im Kreis. Erst als mir ein kaltes, nasses Tuch auf die Stirn gelegt wird, kehren meine Sinne allmählich zurück. Aus großen Flaschen fließt kaltes Wasser über meine Pulsadern. „Um das aufgeheizte Blut zu kühlen“, erklären die Männer von der Strandwacht.

Der erste Tag in meinem Märchenland! Statt Flamenco und Sangria zu genießen, verbringe ich den Abend im Hotelzimmer. Mit feuchten Tüchern bedecke ich meine sonnenverbrannte Haut. Eine Kältekompresse kühlt meine Stirn, doch ich beginne bereits, wieder zu träumen…